Stanley Kubrick wäre dieser Tage achtzig Jahre alt geworden.
Gestern durfte ich seinen letzten Film genießen, “Eyes wide shut”. Menschlich normalgroße, sozusagen echte Menschen stolpern überfordert durch eine in ihrer Überzeichnung unwirklich anmutende Welt. Unwirklich? Wenn man genau hinschaut, offenbart sich genau hier ein Teil von Kubricks Genie.
Dies ist kein Film im gewöhnlichen Sinne, sondern bewegte Fotographie, jede Einstellung ein perfekt inszeniertes Foto, jede Perspektive und Brennweite zielsicher auf die Dynamik der Szene abgestimmt. Dies alles ohne Fremdbeleuchtung, aber mit virtuosem inneren Lichtspiel. Perfekt performende Schauspieler, die eine dichte Geschichte weben. Und aus solchen Juwelen formt Kubrick mit visionärer Kraft ein, ja was eigentlich? Collier? Diadem?? …, das in jeder Hinsicht funkelt (Nun, nun, das ist mir ein wenig pathetisch raus :-).
Ganz nebenbei ein wenig Wasser auf meine Gebetsmühlen für die gute, alte Mechanik: Stanley Kubrick erstand, bevor es dafür zu spät war, aus alten Studiobeständen zwei gebrauchte Arri-Kameras. Grund: Nur auf die passte ein Zeiss-Objektiv mit der beachtlichen Lichtstärke von 0,7 (!), das ursprünglich für die astronomische Fotographie entwickelt worden war. Dieses Objektiv ermögliche ihm bei seinen frühen Filmen die konsequente available light Cinematographie (man beachte in den dunkleren Szenen die Tiefenschärfe…), aus der seine Filme einen guten Teil ihrer Authentizität schöpfen.
Einen weiteren Teil verdanken sie der psychologischen Präzision, mit der Kubrick seine Protagonisten beobachtet. Selber vollkommen zurückgenommen verstand er es, seine Schauspieler buchstäblich zu entfesseln; die Figuren wirken durchgängig echt und lebendig. Kubrick aber befleißigte sich vornehmer Zurückhaltung: Scheinbar teilnahmslos präsentiert er in düstere Obsessionen verstrickte Menschen, mit glatter Fassade, in praktisch allen seinen Filmen.
Der küstlerische Freiraum, seine Filme vollständig selber zu kontrollieren, tat sicher ein übriges – einzelne Szenen ließ er bis zu drei Wochen lang wiederholen, bis er sie gut genug fand. Wie auch immer…
Stanley Kubrick hat ein Werk hinterlassen, das einerseits aus nicht vielen Filmen besteht, was schade ist – andererseits hat er ein Werk hinterlassen, das den Namen verdient. Jack Nicholson sagt über ihn: “… he’s the man …”, Martin Scorsese nennt ihn in einem Atemzug mit Orson Welles, nur in umgekehrter Reihenfolge :-)
Danke für alles, Stanley Kubrick!
