Making Love With His Ego

David Bowie als Ziggy StardustVorgestern hat sich arte mal wieder als meiner Gebühren würdig erwiesen; im Rahmen des “Summer of Love” kam nach “The Man Who Fell to Earth” von Nicolas Roeg und mit David Bowie noch der Mitschnitt des Abschlusskonzerts der “Ziggy Stardust” Tournee von David Bowie mit den Spiders from Mars im Londoner Hammersmith Odeon von 1973.

David Bowie ist ein Gott. Soviel ist mal klar. Ein sehr eitler, von sich selbst restlos überzeugter und eingenommener, aber eben ein Gott.

Mein Zugang zu seiner Musik ist nicht so geradlinig wie bei anderen Musikern, die ich verehre, sondern etwas komplizierter; mit dreizehn hatte ich “Wir Kinder vom Banhof Zoo” gelesen und war schockiert von dem Drogensumpf und den Abstürzen, die das Buch beschreibt. Und das alles, glaubt man der Autorin, untermalt von David Bowies Musik.

Ich fand das alles im hohen Maße gespenstisch und assoziierte lange das eine mit dem anderen… Irgendwie unheimlich war allein der Name und die Konnotation, die ich dazu abgespeichert hatte… Aber dann hörte ich mit sechzehn bei einer Freundin zum ersten Mal “The Rise and Fall of Ziggy Stardust and the Spiders from Mars” und war bekehrt.

So etwas hatte ich noch nie zuvor gehört, und die folgende Auseinandersetzung mit seinem Werk erhärtete die Erkenntnis, dass ich es hier mit einem der größten Musiker des zwanzigsten Jahrhunderts zu tun hatte.

Seine Musik mischt Rock, Pop und Klassik (ohne dabei jemals ins Schmierige abzugleiten wie so viele andere Musiker, die Streicher im Pop oder Rock für nötig oder wenigstens eine Option hielten und halten), seine Arrangements sind so intelligent, abwechslungsreich und überraschend, dass man sich bei jedem Song fragt “Wie kommt ER auf solche Ideen?” .

Ganz nebenbei ist er ein brillianter Sänger, mit Timbre, Gefühl und Härte und … er ist ein Prophet. Oder der erste der Lemminge, was vermutlich dasselbe ist. David Bowie hat zu jeder Zeit Trends gesetzt, musikalisch wie modisch.

Als er ein GlamRock-Album aufnahm (damals gab es nur dies Kategorie noch nicht), wurde der Trend salonfähig und dutzendweise Bands folgten ihm. Als er Disco (sic) machte, ebnete er den Weg für einen neuen Trend. Diese Reihe ließe sich beliebig fortsetzen, etwa mit Electronic, Jungle, Industrial oder Dark Wave. Nie der erste, aber immer derjenige, der erkannte, was kommerziell funktioniert und ebendiesem Stil sein ganz eigenes Gepräge gab.

Andere Musiker schielten zu jeder Zeit danach, was David Bowie tat – und kopierten dann ungeniert seinen aktuellen Stil, wobei jede Kopie eben nur eine Kopie blieb; das Original war und blieb in seiner Originalität stets unerreicht und spielte mindestens eine Liga höher als der Rest der Lemminge.

Sicher half die Nähe zu anderen Originalen wie Andy Warhol, Lou Reed (über den schreibe ich sicher hier auch noch!), Iggy Pop, Brian Eno, Marc Bolan oder Freddie Mercury, um nur einige der anderen Originale zu nennen, mit denen David Bowie sich umgab – und immer wieder Tony Visconti. Dennoch ist es wichtig, hier Ursache und Wirkung zu trennen: David Bowie war und ist immer ein Gestalter, ein Trendsetter, ein Vorläufer und ein Original: Massenmusik war nie sein Ding – von den Trends, die er aus der Taufe gehoben hatte, wendete er sich stets wieder ab, um nach Neuem zu suchen.

Wo Licht ist, ist der Schatten nicht weit – aber bei David Bowie auch nicht lang: Ab Mitte der Siebziger rutschte David Bowie in die Kokainsucht ab, wohnte zusammen mit Iggy Pop in Berlin (wo übrigens zur selben Zeit Lou Reed seine düstersten Alben aufnahm) und liess es sich richtig dreckig gehen. Alben wie “StationToStation” oder “Low” zeugen davon.

Im Gegensatz zu vielen anderen Musikern aber, denen die Siebziger den Rest gaben, kam David Bowie wieder auf die Füße – und sprang noch höher als je zuvor. Ab 1976 spielte er – sehr zur Überraschung der Kritiker – in diversen Filmen mit und zeigte eine weitere Seite seiner schillernden Persönlichkeit, die sich bereits bei der “Ziggy Stardust” Tour abzeichnete: Talentierter Schauspieler.

Das Spektrum ist bemerkenswert – beginnend bei Nicolas Roeg und endend bei Sponge Bob, in dem er dem Charakter (darf man das bei Sponge Bob so sagen?) ”Lord Royal Highness” seine Stimme lieh – aber interessanterweise sind keine wirklich kommerziellen Produktionen dabei (außer vielleicht Sponge Bob).

Zum Glück lebt David Robert Jones (so heißt ER nämlich eigentlich) noch, so dass man gespannt sein darf, mit was er uns als nächstes überrascht – und damit ist nicht seine nächste plastische Optimierung gemeint :-)

Wer jetzt noch nicht genug von David Bowie hat, kann sein Wissen hier vertiefen: Wikipedia und die Original Homepage.

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