Als unser Keller einmal richtig voll war

Notruf 112Eigentlich ist unser Keller ja immer voll. Voll mit Zeug, das man eigentlich nicht so richtig braucht und deswegen im Keller parkt. Wo es dann im Weg steht. Gestern aber war alles noch mal anders …

… und das kam so: Gestern vormittag haben wir eine Lieferung Heizöl bekommen – dreitausend Liter, vorsichtig geschätzt. Voll war der Tank im Keller, genaugenommen überfüllt. Kaltes Öl, warmer Keller, die Gesetze der Physik – es kam, wie es kommen musste.

Der Tank lief über, aus den Befüllungsstutzen. Langsam, ganz langsam tröpfelte Öl aus den Stutzen. Und sammelte sich am Boden. Und stank. Bestialisch.

Der Geruch stach mir sofort in die Nase, als ich nach Hause kam. Ich rief also bei dem Öllieferanten an, um zu erfragen, was ich nun tun soll. Selbstverständlich war das Telefon um diese Abendstunde nicht mehr besetzt und ich wurde stattdessen vom Anrufbeantworter vertröstet.

In meiner Not rief ich dann bei der Feuerwehr an, um mal zu fragen, was man da jetzt so machen soll. Aber die Fragen stellte nicht ich, sondern der sehr entschiedene Mensch in der Notrufleitstelle. Name, Ort, Strasse, Hausnummer … “Ich schicke dann mal jemanden vorbei”, das waren seine letzten Worte, bevor er auflegte.

Praktisch im selben Moment zerriss die Sirene auf dem Haus der freiwilligen Feuerwehr die Stille der Nacht (hier sehr gut zu hören, weil uns vom Feuerwehrhaus nur etwa hundert Meter Luftlinie trennen).

Nachdem ich vor die Tür getreten war, sah ich viele – und ich meine viele – Gestalten im strammen Lauf dem Feuerwehrhaus zueilen, aus dem wenige Minuten später mehrere Einsatzfahrzeuge mit Blaulicht Kurs auf unser Haus nahmen. 

Diesen entstiegen dann viele (sic) Feuerwehrleute … Dem ersten erzählte ich noch mal meine Version der Geschichte – kein Notfall und so – aber die wackeren Männer von der Feuerwehr wollten nur die Katastrophe in Augenschein nehmen.

Also führte ich sie in den Keller, wo das ganze Malheur zu besichtigen war. Wer unseren Keller kennt – zumal den Heizungskeller – weiss, dass dieser eher beengt ist. Voll war der Keller; die vielen Feuerwehrmänner (eine Frau auch dabei) passten jedenfalls nicht alle da hinein, was zu einem Stau auf der Kellertreppe führte.

Angesichts der ausgelaufenen geschätzten fünf Liter Öl beschlossen sie dann auch, eines der Einsatzfahrzeuge samt Mannschaft wieder nach Hause zu schicken, wodurch sich die Situation merklich entspannte …

Der Chef der Truppe half mir dann zunächst mal, meine Schallplatten (jaja, die habe ich noch :-) in Sicherheit zu bringen … Anschliessend wurde dann Ölbinder ausgebracht, nach einigen Minuten wieder aufgefegt und die nur handwarm festgeschraubten Einfüllstutzen am Öltank angezogen.

Zu guter Letzt haben die Herren von der Feuerwehr (die Dame war schon wieder weg) dann noch Küchenpapier-Manschetten an den Einfüllstutzen angebracht, um das immer noch auslaufende Öl aufzufangen, uns einen schönen Abend gewünscht und sich empfohlen.

An dieser Stelle sei ihnen noch mal auf das allerherzlichste gedankt – es ist ein beruhigendes Gefühl, direkt gegenüber einer so schlagkräftigen Feuerwehr zu wohnen. Die Jungs waren absolut professionell und haben einen klasse Auftritt hingelegt.

Nach all diesen Aufregungen wollte ich dann nur noch meine Ruhe, den Wahlabend in den USA verfolgen und ein Bier. Und meine nach Öl stinkenden Klamotten ausziehen. Gewollt, getan …

… bis es an der Tür klopfte. Naja, es klopfte eigentlich nicht, sondern es hämmerte, es donnerte, es wummerte. Weswegen ich dann auch unmittelbar dorthin eilte, um zunächst zwei Polizisten zu öffnen und dann zu registrieren, dass ich ihnen in Unterhose gegenüberstand.

Die beiden fragten nach der Katastrophe, die uns widerfahren sei und ließen sich an den Ort der Tat führen. Ausgelöst wurde dieser Besuch durch das Konzept der “integrierten Leitstelle” des Freistaates Bayern, welches vorsieht, dass nach einem Anruf bei der 112 die Polizei sicherstellt, dass keine Gefährdung für die Nachbarschaft mehr besteht – was in unserem Falle als gegeben zu Protokoll genommen wurde. 

Nachdem auch die beiden Gesetzeshüter wieder abgefahren waren, blieb ich sicherheitshalber angezogen – nur für den Fall, dass noch ein Hubschrauber in unserem Garten landet …

… was aber nicht mehr geschah. Den Wahlabend habe ich mir dann aber angesichts der fortgeschrittenen Stunde verkniffen und bin ins Bett gegangen.

Heute ist dann noch mal der Öllieferant vorbeigekommen, um etwa hundert Liter Öl abzupumpen und sich in aller Form zu entschuldigen. Die Rechnung für den Feuerwehreinsatz wird er selbstverständlich übernehmen und ich werde mit ihm noch mal über einen Preisnachlass verhandeln – wegen der erlittenen Unannehmlichkeiten und so.

Ende gut, alles gut: Barrack Obama ist der neue Präsident der USA :-)

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One Response to Als unser Keller einmal richtig voll war

  1. Lea says:

    Hihi, schade nur, dass ich nix mitbekommen habe :-P

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