Gestern war ich mit meinem alten Freund Wolle auf einem Konzert – fast wie in alten Zeiten :-) Wir haben uns im Feierwerk Wire angesehen und angehört; der eine oder andere Leser kann sich vielleicht noch an die Band erinnern – vor allem an die Klassiker wie “1 2 XU” …
… oder den “Three Girl Rhumba” vom 1977er Debut-Album Pink Flag, mit dem Wire sich ihre eigene Nische im Punk-Bereich sicherten.
Tatsächlich handelt es sich bei der Musik der Band nicht um Punk, sondern eher Post-Punk. Wire gehört nicht zur ersten Generation des Punk, in der es noch als unfein galt, seine Instrumente zu beherrschen, sondern zur Folgegeneration, in der Intelligenz bei den Arrangements und instrumentales Können bereits salonfähig waren.
Seitdem hat sich die Band mehrfach getrennt und wieder neu formiert und vor allem erheblich weiterentwickelt. Es gibt in den verschiedenen Perioden ein verbindendes Element: Den typischen minimalistischen Sound, der die zahlreichen Veröffentlichungen wie ein roter Faden durchzieht. Dadurch erhalten die verschiedenen Platten einen hohen Wiedererkennungswert, auch ohne dass sie sich alle gleich anhören – hohe Schule eben.
Das Konzert gestern war klasse, auch wenn der Sound absolut unterirdisch war – den Mixer müsste man dafür verprügeln, oder, noch besser, zwingen, seinen Sound ohne Ohrstöpsel anzuhören. Die Band hat 75 Minuten lang richtig eingeheizt und das kleine Publikum von vielleicht 200 Personen restlos begeistert – auch wenn die Musiker nicht den Eindruck von Spaß an ihrer Arbeit vermitteln konnten (mürrische bis grimmige Gesichter und so gut wie keine Interaktion mit dem Publikum). Nach dem Konzert darauf angesprochen, meinte der Bassmann, er lache vorzugweise zu Hause :-)
Dennoch war es ein rundherum gelungener Konzertabend und ich bin froh, meinem spontanen Impuls gefolgt zu sein und diesen mit Wolle genossen zu haben.
