Regenzeit

Flut in Sachsen 2010Die alten vier Jahreszeiten sind abgeschafft, es genügen zwei: Winter und Regenzeit. Nachdem es eine gefühlte Ewigkeit gedauert hat, bis der Winter endlich vorbei war, hatten wir sensationell warme Tage – und seit zwei Monaten fast ohne Unterbrechung Regen.

Ist das jetzt die Klimakatastrophe? Wenn ich mir die Nachrichtenbilder ansehe, beschleicht mich schon der Verdacht. Natürlich wissen wir, dass das Klima schon immer diversen periodischen Schwankungen unterworfen war; das aber istWissen, nicht Wahrnehmung. Ganz ehrlich? Bilder wie dieses gehören nicht in den August.

Studien über den Kohlendioxydgehalt der Atmosphäre, gestützt auf jahrhunderttausende Jahre alte Bohrkerne aus dem Eis der Antarktis belegen jedenfalls zweifelsfrei, dass die Temperaturkurve aus der im geohistorischen Sinne normalen Periodizität von Wärme- und Kälte-Phasen (bzw. CO2-Konzentrationen) in den letzten einhundert Jahren nach oben ausbricht.

In meinem jungen Alter kann ich mich nicht an einen ähnlich extremen Sommer erinnern. Als eigentlich ambitionierter Radfahrer und Gärtner muss ich lediglich konstatieren, dass es immer entweder zu warm oder zu nass ist für meine Draussen-Hobbies.

Und die Natur? Schmelzende Polkappen sind ein populäres Beispiel für ökologische Langzeitfolgen der Klimaerwärmung (wenigstens trägt die Auflösung der Arktis nicht zum Anstieg des Meeresspiegels bei), die tragischen Bilder von abgemagerten schwimmenden Eisbären kennt man.

Aber es geht auch unmittelbarer: Die Fledermäuse, die jeden Abend über unserem Teich kreisen und dort Fluginsekten fressen, werden weniger. Als wir 2005 hier eingezogen sind, konnten wir jeden Abend drei Fledermäuse beobachten; mittlerweile freuen wir uns, wenn wir – an trockenen Abenden – eine sehen.

Südeuropäische Zeckenarten überwinden die Alpen, Malaria-Mücken überqueren das Mittelmeer und ehemalige Zugvögel ändern ihre Routen und Ziele. Die von Menschen geschaffenen ökologischen Brücken (wie etwa der Rhein-Main-Donau-Kanal) erschließen neuen Arten unsere alten Biotope, die diese im Laufschritt erobern.

Aber so funktioniert die Evolution nun mal – sich ändernde Rahmenbedingungen bedingen eine Anpassung der Natur an ebendiese. Problematisch ist nur die Geschwindigkeit, mit der wir Menschen das Gepräge unserer Lebensräume verändern: Sie gibt einer Evolution im Sinne Darwins einfach keine Zeit.

Bereiten wir uns also vor auf das Zeitalter der Erfolgreichen und Anpassungsfähigen – Spezies mit kurzer Generationenfolge, allen voran Bazillen und Bakterien. Gefolgt von Parasiten, Insekten und kleineren Säugetieren mit erfolgreichen sozialen Strategien (ich denke da vor allem an Ratten).

Und freuen wir uns darauf: Wir können so viel von ihnen lernen …

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