Der Minimalist

Miles Davis - Tutu - Album CoverGerade habe ich mich mal wieder einer alten Liebe hingegeben. Wer mich kennt, weiß, daß ich so ziemlich jede Musik mag – sofern sie nicht zu primitiv oder zu kuschelig ist. Klauen und Zähne eben. Vor wenigen Minuten habe ich im Zug dann in das Gesicht rechts geschaut …

… (in groß auf dem iPad), während ich mir die dazugehörige Musik auf die Ohren gegeben habe.

Eine Manifestation wahren Genies ist die Kunst des Weglassens. Spontan fällt mir kein Musiker ein, der das besser kann / konnte als Miles Davis. Auf gleichem Niveau spielt vielleicht noch Laurie Anderson, auch bei Prince blitzt diese Fähigkeit gelegentlich auf.

Der Meister des Weglassens ist aber immer noch Miles … so unterkühlt der Groove, die Trompete transparent und scharf wie Glassplitter. Verdammt nochmal – man muß schon aufpassen, daß man sich beim Genuß nicht verletzt. Er hatte schon Recht, eine seiner Platten “Miles Ahead” zu nennen.

Der Rest der temporären Fahrgemeinschaft im Zug hat mich jedenfalls leicht irritiert angeschaut, weil ich vor Freude über die phantastische Musik von Miles Davis (“Tutu“) grinsen bis lachen mußte, während ich sogar beim Sitzen nicht stillhalten konnte.

Die Desmond Tutu gewidmete Platte von 1986 ist so brilliant, daß ich hier keinen Link auf YouTube posten werde … man wird dem Musiker mit der Klangqualität dort einfach nicht gerecht.

Ich rede hier über Musik für Erwachsene, so cool und abgeklärt, so intelligent und zwanglos, so ohne Testosteron … und dann doch wieder so treibend, so schnörkellos (erfreulich gerade bei Musik, deren Schöpfer allgemein in die Jazz-Schublade einsotiert wird) und sooo schön.

Und doch nicht überraschend: Wer den Film “Fahrstuhl zum Schafott” (“Ascenseur pour l’échafaud”, Louis Malle, 1957) und vor allem die Filmmusik kennt, weiß, daß Miles Davis dieses Genie schon früh, wenn nicht schon immer besessen hat.

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